ERDBEERE

ERDBEERE

Die Bezeichnung Fragaria vesca stammt aus dem Lateinischen und spielt auf das duftende Aroma an. Die Römer hatten einen großen Erdbeer-Verbrauch, und tatsächlich fehlten Erdbeeren bei den Banketten der reichen Patrizier nie. Die in den Wäldern in ganz Europa wild wachsende Erdbeere wurde die Jahrhunderte hindurch schon immer als leckere Frucht, Gaumenfreude und Symbol der Liebe betrachtet. Vergil nennt sie "nascentia fragra", im Mittelalter ist sie als "Frucht des Herzens" bekannt, Ludwig der XIV. ließ sie in den Gärten von Versailles anbauen und Shakespeare nennt sie "Speise der Feen". Die Geschichte der Erdbeere wurde in Europa über Jahrhunderte mit dem Pflücken der kleinen Früchte der Wildpflanzen aus dem Unterholz oder mit der sporadischen Kultivierung von in Italien einheimischen Arten wie F. Vesca, Viridis und Moscata in Verbindung gebracht. Die eigentliche Kultivierung begann ab 1623, als die Spezies Virginiana aus Nordamerika und im Jahre 1712 die Spezies Chiloensis, die sehr viel größere Früchte erzeugte, nach Frankreich importiert wurden. Die heute auf dem Markt erhältlichen Erdbeeren sind Ergebnisse aus Kreuzungen zwischen den europäischen mit den amerikanischen Sorten und wiegen bisweilen über 30 Gramm. Die Erdbeeren sind falsche Früchte, die durch die Verdickung des Blütenbodens entstehen, während die echten Früchte die ganz kleinen "Samen" auf der Außenseite der Frucht sind. Die Pflanze hat einen kriechenden Wuchs und sendet Zweige (Stolonen) entlang dem Boden aus, aus denen sich Wurzeln und Blätter entwickeln, aus denen neue Pflanzen entstehen. Die Vermehrung der Erdbeeren findet nicht durch Aussaat statt, sondern durch die Kultivierung der Setzlinge, die von den Stolonen ausgehen. Normalerweise brauchen Erdbeerpflanzen zur Entwicklung von Blüten und Früchten eine Kälteperiode (Thermoperiode). Danach produzieren die verschiedenen Sorten Blüten und Früchte je nach Dauer des Tages. Auf diese Weise unterscheiden sich die Pflanzen in kurztägige, die die Blüten im Winter differenzieren und sie dann alle zusammen im folgenden Frühjahr austreiben, und langtägige oder wiederblühende, welche die Blüten differenzieren, wenn der Tag mehr als 14 Stunden dauert und daher Blüten vom Frühjahr bis zum Sommer produzieren. Schließlich gibt es auch die neutralen Spezies, für die die Tageslänge unbedeutend ist und die Blüten zu jeder Zeit des Jahres hervorbringen können, vorausgesetzt, es gibt hinreichende Temperaturbedingungen und sie haben die Kälteperiode durchlebt.
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht haben Erdbeeren einen ziemlich niedrigen Kaloriengehalt: ca. 30 kcal/100 g frisches Produkt. Sie sind reich an Mineralien und Vitamin C. Sie stärken die körpereigenen Abwehrkräfte. Bei empfindlichen Personen können sie Allergien auslösen.

KULTIVIERUNG

Erdbeeren gedeihen gut in frischen und leicht sauren Böden, wie die im Unterholz. In kalkreichen Böden – wie beispielsweise lehmigen oder an Kalksteinablagerungen reichen Böden - hingegen tun sie sich mit dem Wachsen schwer. In allen Fällen erweist sich eine starke Düngung mit Gülle als nützlich, um diese Pflanze wachsen zu lassen, die die drei wichtigsten Elemente im folgenden Verhältnis 1:0,4:1,6 absorbiert.
Dies bedeutet, dass für eine Produktion von 2 kg/m² 6-8 kg/m² Kompost, 20 g Dreifach-Superphosphat und 40 g Kaliumsulfat zugeführt werden müssen. An der Oberfläche werden später fraktioniert 100 g Guano oder 50 g Ammoniumnitrat verteilt. Die Kultivierung kann mit kurztägigen Arten mit gekühlt gelagerten Pflanzen (die bereits den Zeitraum der Kälteperiode hinter sich haben) durchgeführt werden. In diesem Fall werden die Setzlinge im Juli gepflanzt und bereits im September erhält man eine erste leckere Produktion, auf die dann vom Frühjahr bis zum Sommer weitere folgen. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, im frühen Frühjahr wiederblühende Arten zu pflanzen, die fortschreitend bis zum Spätsommer immer wieder Früchte tragen werden. Der Anbau zu Hause kann über mehrere Jahre im gleichen Boden stattfinden, wobei darauf zu achten ist, dass während des Winters mit Phosphor und Kalium, und im Sommer mit aufgespaltenem Stickstoff gedüngt und in jedem Herbst altes Blattwerk entfernt wird. Um die Erdbeerplantage gesund zu erhalten ist das Mulchen des Bodens wichtig, das den Kontakt der Pflanze und der Früchte mit dem Boden und auch die Ausbreitung von Krankheiten verhindert. In Bezug auf die Pflanzabstände ist eine durchschnittliche Dichte von ungefähr 7-10 Pflanzen pro Quadratmeter zu berücksichtigen. Wird der Boden in Kuppen angelegt und mit Mulch abgedeckt, können die Pflanzen in Doppelreihen in 1 m Entfernung voneinander platziert werden, während der Abstand zwischen den Reihen 30 cm und 20 - 25 cm in der Reihe betragen sollte.

SCHÄDLINGE

Die Erdbeerkultur bleibt lange auf dem Boden, daher wird sie leicht von diversen Krankheitserregern angefallen. An erster Stelle stehen die Krankheiten, die den Wurzelapparat und den Wurzelhals befallen (Phytophthora cactorum, Rhizoctonia fragarie und Verticillium), die der unteren Zone der Pflanze schaden oder in die Lymphgefäße eindringen und die Pflanze kollabieren lassen. Bei diesen Erkrankungen besteht das einzige Gegenmittel darin, nicht noch einmal die gleiche Kultur auf dem Grundstück anzubauen und den Boden gut drainiert zu halten, um Staunässe zu verhindern. Die Blätter können stattdessen durch Lochfraß (Mhycosphaerella fragarie) angegriffen werden, der bewirkt, dass rot-violett Punktierungen auftreten, oder durch Botrytis, die Blätter und Früchte verschimmeln lässt. Gegen diese Erreger wirksam sind vorbeugende Behandlungen mit Produkten auf Kupfer-Basis. Sollte dagegen Mehltau auftreten, können Behandlungen mit Schwefel Abhilfe schaffen. Der am meisten gefürchtete Parasit unter den Tieren ist die Spinnmilbe (Milben), die sich mit einem sehr fein gewebten Netz unter den Blättern bemerkbar macht. Dem kann durch häufiges Gießen und möglicherweise mit dem Einsatz der räuberischen Milbe (Phytoseiulus persimilis) begegnet werden, die sogar sieben erwachsene weibliche Spinnmilben pro Tag frisst!